Der Turm

Von weithin sichtbar, erhebt sich der Hochzeitsturm, das Wahrzeichen Darmstadts, auf der Mathildenhöhe. Der Name Hochzeitsturm geht auf die Hochzeit von Großherzog Ernst Ludwig und Prinzessin Eleonore zu Solms-Hohensolms-Lich im Jahr 1905 zurück. Nachdem die Verlobung bekannt gegeben wurde, beriet sich der Großherzog mit dem Wiener Architekten Josef Maria Olbrich. Beide schwärmten für ein weithin sichtbares Zeichen, mit dem die Stadt an dieses Ereignis erinnern wollte. Der von Olbrich entworfene, 48.5 m hohe Turm wurde in den Jahren 1907-1908 vom Hochbauamt der Stadt errichtet.

Die Fassade

Der Turm besteht aus einem mehrstufigen Sockel, einem mit dunkelroten Klinkern gemauerten Turmkörper, stilsicher um die Ecke geführten Fensterbändern und einer fünfzinnigen Krone. Die ungewöhnliche Bekrönung hat dem Turm auch den Namen „Fünf-Finger-Turm“ eingebracht. Die Westseite, an den Platanenhain angrenzend, ist die Schauseite des Turms. Das Relief über dem Eingangsportal trägt die Inschrift „Zum Gedächtnis der Vermählung J.J.K.K.H.H. des Großherzogs Ernst Ludwig und der Großherzogin Eleonore errichtet von der Stadt Darmstadt, anno 1907/08“. Vier halbnackte weibliche Figuren symbolisieren die Tugenden des großherzog­lichen Paares: Stärke, Weisheit, Gerechtigkeit und Milde. Auf der Nordseite prangt die weithin sichtbare goldene Turmuhr. Die den Stundenkreis der Ziffern und Zeiger bildende Fläche ist von drei ornamentalen Rundbögen getragen. Sie umschließen die Symbole Glaube, Liebe und Hoffnung. An der Südseite ist über dem sechsten Fensterpaar eine große Sonnenuhr eingelassen. Sonnenstrahlen berühren die Ziffern, umrahmt von den zwölf Sternzeichen vor blauem Glasmosaik-Fries und goldenen Sternen.

Die Innenräume

Der Turm ist in sieben Geschosse unterschiedlicher Höhe und Nutzung gegliedert. Erst nach der Ausstellung 1908 wurden diese Räume schrittweise ausgebaut. Am 15. Mai 1909 wurden das Hochzeitszimmer und das Fürstenzimmer fertig gestellt.

Die Eingangshalle

In der Eingangshalle im Erdgeschoss befinden sich zwei große Wandmosaiken. Auf dem einen ist vor blauem Himmel eine Allegorie der Regentschaft des Großherzogs dargestellt. Vor einer Baumkrone steht ein beflügeltes weibliches Wesen unter dem „Ernst Ludwig Eleonore“ zu lesen ist. Auf dem zweiten Wandmosaik ist ein junges Liebespaar zu sehen, welches sich vor blauem Sternengrund küssend in den Armen liegt. Die nackten jugendlichen Körper schweben auf einem rollenden Wolkenband. Riesige, weißgolden gefiederte Flügel entwachsen den Liebenden und bilden ein flammendes Omega. 

Das Hochzeitszimmer

Im „Zimmer der Großherzogin“ auf Ebene 5, dem sog. „Hochzeitszimmer“ vertäfelte der Möbelfabrik H. J. Glückert die Wände mit Rüsterholz und Philipp Otto Schäfer malte die Wandbilder. Sie stellen im Neo-Renaissancestil ein fürstliches Hochzeitsfest dar. Der 4,40 Meter hohe Raum ist mit flach vergoldeter Stuck-Decke abgedeckt. Das gesamte Ambiente stiftete der Großherzogliche Kammerjunker August Freiherr von Oetinger. 

Das Fürstenzimmer

Das „Zimmer des Großherzogs“ auf Ebene 4 ist rund sieben Meter hoch und schließt in einem Tonnengewölbe ab. In fortlaufendem Rhythmus sind Eidechsen gemalt, die sich zwischen Schneckenhäusern schlängeln. In der Scheitelvignette sind die Initialen des Großherzogs „EL“ in eine goldene Krone geprägt. Auf Fabeltieren reiten eine nackte Reiterin und ein jugendlicher Krieger. Sie schütten Füllhörner über ein Schneckengehäuse. Diese Allegorien vom Sieg der Zeit schuf der Maler Fritz Hegenbart. Schreiner des Möbelfabrikanten Heinrich Julius Glückert gestalteten die Intarsien. Dr. Robert Esser stiftete seinerzeit die gesamte Raumausstattung.

Die Aussichtsplattform